Berlin, Germany
April 3, 2014

Risiken des Klimawandels ernst nehmen - Foto: BMU
Klimaveränderungen beeinflussen Gesundheit, Landwirtschaft und Städtebau. Deshalb hat die Bundesregierung eine Anpassungsstrategie und einen Aktionsplan entwickelt. "Das Sofortprogramm zum Klimaschutz steht vor der Verabschiedung", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Berlin.
Das Klima in Deutschland verändert sich: Im Süden und im Südwesten Deutschlands steigen die Temperaturen schneller als im Norden. In drei von vier Jahreszeiten wird es feuchter. Zwischen September und Mai fallen fünf bis 25 Prozent mehr Regen und Schnee. In der Südhälfte könnten bis zu 35 Prozent mehr Niederschläge sein.
In der Westhälfte wird es hingegen um fünf bis 15 Prozent trockener. In Ostdeutschland, der Norddeutschen Tiefebene und Teilen Süddeutschlands wird es ebenfalls trockener. Im rheinischen Mittelgebirge hingegen wird der Niederschlag zunehmen. Die Küstenregionen kämpfen bereits gegen den ansteigenden Meeresspiegel, die Anrainer von Flüssen gegen immer öfter auftretende Hochwasser.
"Das Eindämmen des Klimawandels ist eine gesamtgesellschaftlich zentrale Herausforderung", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Die Bundesregierung wolle das für 2015 angestrebte internationale Klimaschutzabkommen weiter voranbringen, um den weltweiten Temperaturanstieg zu bremsen.
Temperaturanstieg bremsen
Sollten die internationalen Klimaverhandlungen scheitern, muss sich Deutschland laut Weltklimarat bis Ende des 21. Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 3,5 bis 4,5 Grad einstellen. "Wir nehmen diese Risiken sehr ernst und haben in Deutschland bereits eine Anpassungsstrategie und einen Aktionsplan entwickelt", betonte Bundesumweltministerin Hendricks.
Die Erderwärmung dürfe die Zwei-Grad-Marke nicht übersteigen. Zugleich sei es nötig, sich auf die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels einzustellen. Die Anpassung an den Klimawandel werde jedoch "zunehmend schwieriger, je länger wir zögern". Das Sofortprogramm der Regierung zum Klimaschutz stehe bereits "kurz vor der Verabschiedung".
Im Bereich der Gebäudedämmung, des Verkehrs und Landwirtschaft müsse kurzfristig etwas unternommen werden, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, den CO2-Ausstoß in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Das hatte Hendricks Ende März im Deutschlandfunk angemahnt. Dazu gehöre eine "Veränderung unserer Lebensweise". Die Bürger in Mitteleuropa müssten sich darauf einstellen, ihre "Wohnungen nicht mehr auf 22 oder 23 Grad zu heizen, sondern vielleicht nur noch auf 20 oder 21 Grad".
Anpassung an Klimawandel erproben
Das Bundesforschungsministerium hat für Projekte und Forschungseinrichtungen im Bereich Klimaschutz und Energie rund 750 Millionen Euro allein im Jahr 2013 aufgewendet. Eines davon ist KLIMZUG. Das Projekt soll in sieben Regionen Deutschlands Anpassungsstrategien für den Klimawandel erproben. Die Fähigkeit, sich den Veränderungen anzupassen wird entscheidend für den Erhalt der Umwelt und unseres Lebensstandards sein.
Projekte von KLIMZUG
Das Flussgebiet von der Elbmündung bis zum Wehr in Geesthacht ist geprägt von den Gezeitenwechseln in der Nordsee. Höhere Wasserstände, stärkere Sturmfluten und ein höherer Tidenhub gefährden die Elbmarschen und niedrig liegende Siedlungs- und Wirtschaftsflächen. Im Rahmen des Projekts KLIMZUG-Nord erforscht die TU Hamburg deshalb, welche Wirkungen Deichrückverlegungen, Poldersysteme, überströmbare Deichstrecken im Vergleich zu herkömmlichen Deicherhöhungen und Sperrwerken haben.
Auch in der Emscher-Lippe-Region wie im gesamten Ruhrgebiet müssen sich die Menschen auf Klimaveränderungen einstellen. Zukünftig ist mit einem Rückgang an Grund- und Oberflächengewässer zu rechnen. Zugleich wird die Landwirtschaft wegen trockenerer Sommer zusätzliches Wasser benötigen. Das muss sie sich genau zu der Zeit mit anderen Nutzern teilen, wie Trinkwasserversorgern, Bergbaubetreiben, Nutzern der Schifffahrtskanäle und Unternehmen der Energiewirtschaft. KLIMZUG-Dynyklim soll die Wassernutzer an der Lippe befähigen, gemeinsame Lösungen für ihre unterschiedlichen Interessen zu finden.
Weltweite Folgen des Klimawandels
Die Hitzewellen der vergangenen Jahre haben zu einer Zunahme hitzebedingter Sterblichkeit besonders unter älteren Menschen geführt. Mit den Niederschlägen steigt die Anzahl der Asthmaerkrankten. Mit der Anzahl der Hochwasser nehmen die Infektionserkrankungen zu. In warmen Wintern nimmt die Anzahl der Zecken zu. Mit zunehmenden Temperaturen gelangen auch Mücken nach Deutschland, die gefährliche Krankheiten wie Malaria übertragen.
Deshalb ist Eile geboten: Die Mindestkosten einer unterlassenen Anpassung an den Klimawandel werden für die EU als Ganzes für 2020 noch mit 100 Milliarden Euro veranschlagt, für das Jahr 2050 bereits mit 250 Milliarden Euro. Ein Anstieg von zwei Grad über die vorindustrielle Zeit werde 0,2 bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, so der Weltklimarat.
Die Produktion von Weizen, Mais, Reis und Soja werde in absehbarer Zeit zurückgehen, während die Weltbevölkerung um 14 Prozent wachse. Wetterextreme wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen werden Fluchtbewegungen verstärken. Zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit erhöhe sich das Risiko für Konflikte mit Gewaltanwendung, so der Weltklimarat.
Der am 31. März 2014 vorgelegte Bericht des Weltklimarats ist der zweite von drei Teilbänden des 5. IPCC-Sachstandsberichtes. Er beschäftigt sich mit den Folgen des Klimawandels und Möglichkeiten der Anpassung. Der erste Teilbericht widmete sich den Beobachtungen, Ursachen und Projektionen des Klimawandels. Der dritte Band stellt Handlungsoptionen zur Vermeidung weiterer Treibhausgasemissionen dar und wird am 12. April 2014 in Berlin verabschiedet.