Austria
August 22, 2025
Die Wachstumsbedingungen im Vegetationsjahr 2025 unterscheiden sich in einigen Aspekten von den Vorjahren. Umso interessanter ist ein Blick darauf, welche Sorten und Anbaustrategien sich heuer bewährt haben.
Im warmen Herbst 2023 waren wir in der Wintergerste mit dem durch Blattläuse übertragenen Gelbverzwergungsvirus (BYDV) konfrontiert. Die Aussaat der Wintergerste im Herbst 2024 erfolgte witterungsbedingt spät und unter feuchten Bedingungen. Dementsprechend traten keine Virusinfektionen auf. Die Pflanzen gingen mit knapper Herbstentwicklung und geringem Wurzelwachstum in die Winterruhe.
Auch im anfangs trockenen Frühjahr 2025 erfolgte das Wachstum zögerlich, dafür aber mit geringem Krankheitsdruck. Es folgten lange Phasen mit warmen Temperaturen, Hitzeperioden blieben aber weitgehend aus. Das ermöglichte der Wintergerste ein langes Streckungswachstum. Standfeste und strohstabile Sorten und ein rechtzeitiger und gezielter Einsatz von Wachstumsreglern waren entscheidend für hohe Erträge.
Wintergerste: Genetischer Virusschutz
Umso interessanter sind die heurigen Praxisergebnisse mit der mehrzeiligen BYDV-toleranten RGT Alessia. Sie fiel heuer auch unter schwierigen Bedingungen durch ihre sehr gute Standfestigkeit auf und so erzielte RGT Alessia heuer sehr gute Erträge. Ernest Schoder aus Zeilern konnte mit RGT Alessia 9.910 kg/ha ernten, das übertraf den Durchschnitt der anderen mehrzeiligen Sorten um 1.195 kg/ha. Auch im oberösterreichischen Zentralraum bei Martin Zehetner (Steinerkirchen) bestätigte sich RGT Alessia mit 10.860 kg/ha, die Sorte lag über dem Durchschnitt der anderen mehrzeiligen Sorten von 10.250 kg/ha. RGT Alessia gehört zur neuen Generation BYDV-toleranter Sorten, die auch in Situationen ohne BYDV-Infektionen sehr gute Leistungen erbringen. Der genetische Schutz gegen diesen Virus wird damit zu einem Zusatznutzen einer sehr leistungsfähigen Wintergerste.
Auch die zweizeilige Arthene konnte sich heuer voll bestätigen. Bei Versuchsbonituren reifer Bestände kurz vor der Ernte fiel die außerordentlich gute Strohstabilität auf. Das spiegelte sich auch in den Erträgen wider. In Steinerkirchen erreichte Arthene mit 10.160 kg/ha – wie in den Vorjahren – den höchsten Ertrag aller zweizeiligen Sorten mit einem Hektolitergewicht von 66,9 kg. Sehr zufrieden zeigte sich auch Ernest Schoder: Arthene übertraf in seinem Praxisversuch mit 10.550 kg/ha und einem Hektolitergewicht von 64,2 kg alle anderen Sorten.
Winterweizen: Langsame Entwicklung der Vegetationsstadien
Beim Winterweizen machte sich die bereits beschriebene Witterung im Frühjahr durch eine langsame Entwicklung der einzelnen Vegetationsstadien bemerkbar. Das ist positiv für die Anlage der Ertragskomponenten – solange die Nährstoffverfügbarkeit auf teils kühlen und trockenen Böden gegeben war.
Krankheiten machten sich 2025 nur an einzelnen Standorten stärker bemerkbar, dafür fehlten vielerorts – ganz anders als 2024 – günstige Infektionsbedingungen. Nicht-parasitäre Blattflecken traten im Gegensatz dazu häufig auf. Verursacht wurden diese durch die rasche Abfolge günstiger Witterungsbedingungen und Phasen mit kalten Temperaturen und trotzdem starker Sonneneinstrahlung. Die Pflanzen entwickeln dann Abwehrreaktionen gegen Zwischenprodukte der Photosynthese.
Dadurch entstehen Blattaufhellungen und Nekrosen, Pflanzenschutzmittel können die Symptome verstärken. Auch die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen kann eine Rolle spielen. Im Gegensatz zu parasitären Erkrankungen weiten sich die Symptome nach Witterungsbesserung nicht weiter aus und sind daher wenig ertragswirksam.
Die vom Ertragspotenzial hoch angesetzten und standfesten Futterweizensorten wie LG Mondial (BQ2) und Campesino (BQ3) konnten die 2025 gut verfügbaren Nährstoffe sowie die Wasserversorgung bestens in die Ertragsleistung umsetzen. In vielen Versuchen war daher der mengenmäßige Vorsprung sehr hoch. Auch bei den Qualitätsweizensorten gab es heuer sehr hohe und qualitativ gute Erträge. Dort wo es möglich war, rechtzeitig zu ernten, kam es zu keinen Einbußen beim Hektolitergewicht. Der neue Qualitätsweizen Exsal (~BQ7) sowie die bereits bewährten Sorten Ekonom (BQ7) und Axaro (BQ7) bestätigten die Leistungen in der Praxis bei Ertrag und Qualität.
Vorteile Winter- zu Sommergetreide
Ein Trend der letzten Jahre bestätigte sich auch heuer: Die Vorteile der Winterformen gegenüber Sommerformen machen sich bei Getreide stärker bemerkbar. Das zeigt sich auch in klassischen Sommergetreideregionen wie dem Wald- und Mühlviertel. Trotz günstiger, früher Aussaat von Sommergetreide bringen die entsprechenden Winterformen immer größere Ertragsvorteile, was in der längeren Vegetationszeit sowie im besser entwickelten Wurzelsystem begründet liegt. Neben den bewährten Winterbraugersten nutzen auch die im Herbst gesäten Sommergersten Avus und Skyway diesen Vorteil aus. Das Augenmerk ist dabei in jedem Jahr auf die Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere Rhynchosporium und Netzflecken zu legen, da die Sommergersten noch nicht über das Toleranzniveau der Wintergersten verfügen. Neben den höheren Erträgen erweist sich auch der konstant niedrigere Proteingehalt als großer Vorteil in der Vermarktung der Braugerste.
Bewährter Winterhafer Eagle
Auch bei Hafer bietet sich mit dem Winterhafer Eagle eine bewährte, winterharte Alternative an. Höhere Erträge kombinieren sich hier mit besserer Kornqualität. Das macht sich nicht nur in höheren Hektolitergewichten, sondern auch besserer Schälbarkeit und höheren Kernausbeuten bemerkbar. Eagle wird daher vermehrt von der Schälhaferindustrie nachgefragt. Mehrjährige Versuchsergebnisse und Praxiserfahrungen sind die Basis für die Auswahl der richtigen Sorten. Ergebnisse und Empfehlungen erhalten Sie unter Praxisversuche und bei Ihren Die Saat- Fachberatern.
DI Philipp Karoshi - DIE SAAT Sortenentwicklung Getreide