Switzerland
December 1, 2020

Marc Besse,
Leiter Portfolio Beizmittel Europa,
Syngenta Crop Protection Basel
Vögel, Drahtwürmer und pilzliche Erreger bedrohen die junge Maispflanze, wie lange haben wir noch die Saatbeizmittel, welche hier Lösungen bieten?
Eine faire Frage, ist doch europäisch das Beizmittel Mesurol nicht mehr einsetzbar. Zur Zeit gibt es in der Schweiz und anderen Ländern Westeuropas noch das Beizmittel Korit, welches auch eine Wirkung als Vogelrepellent hat. Force 20 CS wird weitläufig gegen Drahtwürmer eingesetzt und dies mit Erfolg. Es muss jedoch auf die Saattiefe und gewisse Massnahmen bei der Anwendersicherheit geachtet werden. Bei den fungiziden Beizmitteln sind sowohl in der Schweiz als auch in Europa noch Produkte wie Maxim XL oder Maxim Quattro bis Mitte 2021 zugelassen. Die Situation danach hängt stark von Behördenentscheiden in Europa und der Schweiz ab. Syngenta verteidigt mit aktualisierten Dossiers jedoch die Beizmittel und ist zuversichtlich, dass sie langfristig wieder eingesetzt werden können.
Was heisst es, das Produkt ist in der Überprüfung, was ist darunter zu verstehen?
Dies bezieht sich auf die Mitgliedstaaten der EU. Hier werden in einem längeren Projekt zahlreiche bewilligte Wirkstoffe überprüft und entschieden, ob die Zulassung entzogen werden soll. Tatsächlich sind hier auch zahlreiche Wirkstoffe betroffen, welche als Beizmittel eingesetzt werden. Da die Schweiz nicht in der EU ist, gelten die eigenen Entscheide, es ist jedoch davon auszugehen, dass die Schweiz diese Entscheide übernehmen wird. Wann welche Entscheide gefällt werden, das wissen wir nicht immer genau. Es wird jedoch genau verfolgt und wo wir bei eigenen Wirkstoffen es als wichtig erachten, dass sie für die landwirtschaftliche Produktion weiter zur Verfügung stehen und das Risiko für Mensch und Umwelt aus wissenschaftlicher Sicht klein und tragbar ist, da verteidigen wir diese Wirkstoffe und Produkte. Im Falle von den Maxim-Produkten denken wir, dass wir langfristig erfolgreich sein werden. Es gibt aber auch Bespiele von Wirkstoffen, wie den Neonikotinoiden, welche verboten wurden. Allerdings werden seither als Alternative in Raps und Zuckerrübe breit wirksame Pyrethroide eingesetzt, welche aber trotzdem nicht das gleiche Spektrum abdecken können. Die zukünftige Situation bezüglich Beizmittel ist offen. Dennoch gibt es auch Lichtblicke für die produzierende Landwirtschaft, so wurde kürzlich Force 20 CS in der Schweiz und auch in Österreich für den Mais zugelassen, mit Teilwirkung gegen den zunehmenden Drahtwurm. In einigen Ländern in Europa ist Force 20 CS in Mais allerdings bereits ein Standard und weit verbreitet. In den grossen Anbaugebieten Ukraine und Russland können nach wie vor Beizmittel mit Neonikotinoiden eingesetzt werden.
Welche Lösungsansätze verfolgt Syngenta und andere Firmen nebst der Wirkstoffverteidigung sonst noch? Welche Trends gibt es bei der Saatgutbehandlung?
Im Moment laufen umfangreiche Versuche mit Biostimulanzien, aber auch sogenannten Biologicals, welche die Hürden für eine Zulassung erreichen sollten. Bei diesen Kategorien von Produkten sind jedoch der Wirkungsgrad und die Wirkungsdauer unterschiedlich zu konventionellen chemischen Komponenten. Mit dieser Tatsache muss die Saatgutindustrie, aber auch der Landwirt in Zukunft wohl leben können. Wir testen solche Komponenten hinsichtlich ihrer Wirkung gegen Krankheiten, Schädlinge sowie als Repellent gegen Vögel. Wir müssen uns aber auch klar vor Augen halten, dass diese Komponenten idealerweise mit einem chemischen Produkt kombiniert werden. Sollte diese aus regulatorischen Gründen nicht mehr möglich sein, so verschlechtert sich die Wirkung. Wir von Syngneta werden alles daran setzen, die Wirkstoffe zu erhalten, damit langfristig Lösungen zur Verfügung stehen.
Was raten Sie dem Landwirt für die kommende Maisaussaat bezüglich Beizung?
Als gelernter Landwirt würde ich das Risiko eines Ertragsausfalls auf jedenfall minimieren und die breiteste Beizmöglichkeit wählen. Wer weiss genau, welche Schädlinge er haben wird und welche Krankheiten sich in seinem Boden befinden? Die Saatbeizung sorgt mit wenig Produktmenge am richtigen Ort für gute Wirkung und ist eine gewisse Versicherung bereits beim Saatgutkauf. Eine Kombination von Maxim Quattro, Korit und Force 20 CS erscheint mir aktuell das beste was ein Schweizer Landwirt als Schutz auf seinem Maissatgut haben kann. Ich rate aber aufgrund der Überprüfung der Zulassungen auch, dass die gesamte Warenflusskette vom Abpacker und Lieferanten über den Handel bis hin zum Landwirt das Saatgut möglichst jährlich aufbrauchen sollte und keine Lager gebildet werden sollten.